Teşekkürler – Danke!

Hinter uns liegen bewegende Tage und Wochen, die in den Feierlichkeiten und den Gedenken zum zehnten Jahrestages des Nagelbombenanschlags mündeten. Wir möchten uns ganz herzlich bei allen bedanken, die dieses wichtige Zeichen möglich gemacht haben. Für die Betroffenen in der Keupstraße war dies sehr wichtig! Entscheidend ist aber auch, dass das Versprechen des Zusammenstehens kein einmaliges Lippenbekenntnis bleibt. Wir versprechen, dass wir auch weiterhin mit den Menschen aus der Keupstraße zusammenstehen und sie solidarisch begleiten zu dem nächsten schwierigen Schritt: die Verhandlung der Keupstraße im NSU-Prozess in München.

 

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Unser erster Dank geht an die Betroffenen aus der Keupstraße, die u.a. auf unseren Veranstaltungen durch ihre Bereitschaft über ihr Leid zu sprechen, es geschafft haben, verbal in die Offensive zu gehen, und zu zeigen, dass die Neonazis ihr Ziel verfehlt haben. Wir stehen zusammen.

Beeindruckt waren wir von den Betroffenen rassistischer Anschläge seit dem Mauerfall, die auf unserem Podium gesprochen haben. Es war wichtig zu zeigen, dass die Morde und Anschläge des NSU kein singuläres Ereignis waren, sondern in einer Kontinuität rassistischer Gewalt in Deutschland stehen. Wobei wir natürlich nicht vergessen, dass es auch vor dem Mauerfall schon rassistische Morde gegeben hat. RIP Ramazan Avcı † 24.12.1985

Ein Dank an die unermüdlichen Anwält_innen der Nebenklage sowie die Rechercheure, die zu den Untersuchungsausschüssen arbeiten, eure Berichte sind enorm wichtig und wurden sehr interessiert von den Besucher_innen der Veranstaltungen im Café Sabahçı aufgenommen.

Ein großes Dankeschön an das Café Sabahçı, wo auch weiterhin die Gruppentreffen der Initiative stattfinden und viele informative und gut besuchte Veranstaltungen organisiert werden konnten. Wir fühlen uns immer sehr willkommen.

Sehr inspiriert sind wir von allen Aktivist_innen aus den Initiativen aus anderen Städten, in denen rassistische Anschläge (u.a. des NSU) stattgefunden haben. Wir bleiben mit euch am Ball!

Danke an das Schauspiel Köln für die Räumlichkeiten und den Technik-Support für das Vernetzungstreffen und das Podium am Sonntag. Die professionellen Übersetzerinnen haben eine unglaubliche Arbeit geleistet und die Awo BV Mittelrhein hat dankenswerterweise die Übersetzungsanlage finanziert.

Ein großes Lob an AKKU für den außergewöhnlichen (Mit-)Täterspurengang, der die Orte und Institutionen klar benannt hat, die in Köln an der Drangsalierung der Betroffenen mitgewirkt haben.

Ein Dank an alle, die uns mit ihren Spenden und Beiträgen geholfen haben die Veranstaltungen zu organisieren und so zu einer kritischen Öffentlichkeit beizutragen. Insbesondere möchten wir uns bei der Amadeu-Antonio-Stiftung für die Finanzierung des Buchs bedanken, das die Geschichten der Betroffenen sammelt.

Nicht möglich gewesen wäre das alles ohne die Freiwilligen, die uns bei dem Fest tatkräftig unterstützt haben an Infoständen, bei Veranstaltungstechnik, der Unterbringung von Gästen und vielem mehr. Und natürlich Danke an Euch, liebe Freund_innen und Besucher_innen der Veranstaltungen, dass ihr euch für unsere Anliegen interessiert und das Gelernte weitertragt.

Last but not least, ein Dank an alle engagierten Journalist_innen, die mit ihren Beiträgen den Betroffenen ein Sprachrohr gegeben haben. Hier eine kleine Auswahl an Medienbeiträgen zum Jahrestag, in dem die Initiative und/oder einzelne Aktivist_innen erwähnt werden.

 

Presseschau (Auswahl)

 

FAZ
„Keupstraße ist überall“ heißt es auf einem Schriftzug, der an der Fassade eines Hauses in der Straße hängt, in der vor zehn Jahren die Nagelbombe der Nationalsozialistischen Untergrundbewegung explodierte.

 

WAZ
Viele verschiedene Veranstalter haben sich für diese Tage zusammengetan, darunter die „AG Arsch huh“, die Stadt Köln, die „Amadeu Antonio Stiftung“ und die Initiative „Keupstraße ist überall“.

 

 

Die Welt
Ich besuche das Treffen einer Initiative im Hinterraum einer türkischen Teestube der Keupstraße. „Ich wohne seit 40 Jahren in der Nachbarschaft der Keupstraße“, erzählt mir dort Peter Bach. Der Rentner war nach dem Anschlag geschockt. Heute engagiert er sich in der Initiative „Keupstraße ist überall“, die sich zum Ziel gesetzt hat, vor allem auch die Opfer des Anschlags zu unterstützen. Gegründet hat sich die Initiative nicht etwa, als die physischen und psychischen Verletzungen der Betroffenen frisch waren, im Jahr 2004.

Der NSU-Prozess ist für viele eine Belastung
Es sollte sieben Jahre dauern, bis sich die Welt ordentlich geändert hat. Die Mordserie des NSU wird bekannt, ich unterrichte Journalismus und Politik an Hochschulen, diskutiere mit Studenten über die mediale Wahrnehmung des rechten Terrors, arbeite nebenher immer noch als Reporter – und Nachbarn wie Peter Bach fangen an, sich für ihre türkischen Mitbürger zu engagieren: „Eigentlich sind wir im Nachhinein selber erschrocken, wie wenig emotional wir reagiert haben“, erinnert sich Bach: „Warum wir nicht sofort zu den Leuten hingelaufen sind. „Es gab ja dieses Solidaritäts-Straßenfest. Aber ich glaube, wir haben uns zu einer gewissen kalten Solidarität verleiten lassen, die die Menschen auf der Keupstraße nicht im Herzen gespürt haben.“

Genau da setzt die Initiative jetzt an: Ihre Mitstreiter führen Gespräche, beraten Betroffene, alles ehrenamtlich. Und sie begleiteten Opfer als seelischer Beistand an den Verhandlungstagen des NSU-Prozesses in München. Mehrere von ihnen treten beim Prozess in München als Nebenkläger auf, andere demnächst als Zeugen. „Für viele ist es eine Belastung, da runterzufahren“, erläutert Bach: „Wir wollen vor dem Gericht und in der Öffentlichkeit zusammen mit den Betroffenen demonstrieren, was hier eigentlich in Deutschland passiert ist. Wir wollen einfordern, dass alles aufgeklärt wird, damit die Menschen in der Keupstraße wieder glauben, dass man hier wirklich sicher leben kann.“ Die Anlieger dort hätten bis 2004 Vertrauen in den Staat gehabt und hätten es nicht für möglich gehalten, dass es einen rechtsextremen Hintergrund des Anschlag gab – und vor allem nicht, dass die Polizei das nicht herausfindet. Peter Bach wirft das dem Staat vor.

 

KStA
Seine gesamte Existenz sei durch dieses Attentat zerstört worden, sagt derweil Özcan Yildirim, vor dessen Friseursalon am 9. Juni 2004 die Nagelbombe explodierte. Doch fast noch schlimmer seien die Verdächtigungen der Polizei gegen ihn und seine Familie gewesen. „Das war wie der Einschlag einer zweiten Bombe.“

In Jeans und blütenweißem Hemd sitzt er mit seinem Bruder Hasan, zwei Opfern des Anschlags von Mölln im November 1992 und weiteren Teilnehmern auf der Bühne vor Depot 2 des Kölner Schauspiels, um mit ihnen zwei Stunden lang über die „Kontinuitäten rassistischer Gewalt seit dem Mauerfall“ zu diskutieren. Noch einmal erzählen er und Hasan Yildirim von jenem Mittwoch im Juni, der nicht nur den Friseursalon „Özcan“ zerstörte, sondern auch das Vertrauen vieler in Deutschland lebenden Türken in die deutsche Polizei und Politik.

 

Deutsche Welle
„Es ist ein Trauma“, sagt Mitat Özdemir, der seit 37 Jahren in der Straße lebt. Die Initiative „Keupstraße ist überall“ hat er mit vielen engagierten Kölnerinnen und Kölnern gegründet, die den Betroffenen helfen wollten. Ein Trauma ist nicht nur der Anschlag selbst, über den viele Opfer bis heute nicht sprechen können und wollen. Traumatisch waren auch die sieben Jahre danach.

 

Zeit Online
(…) Der Schock saß tief. Kutlu Yurtseven ließ sich im Salon von Özcan Yildirim jahrelang die Haare schneiden, vor und nach dem Anschlag. Der 41-jährige Pädagoge war 2003 in die Holweider Straße gezogen, eine Querstraße der Keupstraße. Als die Bombe explodierte, war er bei der Arbeit. „Erst, als ich nach Hause gekommen bin, habe ich realisiert: Das ist der Ort, wo ich acht Stunden vorher noch zur Arbeit entlanggegangen bin.“ (…) Lähmend, sagt Yurtseven, war zum einen die Angst vor neonazistischer Gewalt, zum anderen die Ermittlungen der Polizei, in denen ein rechtsradikaler Hintergrund ausgeschlossen wurde. Stattdessen drehten sich die Recherchen um Themen wie Schutzgelderpressung und Mafiakreise, in die die Opfer verstrickt seien. Nachbarn, die von der Polizei vernommen wurden, seien zusätzlich traumatisiert worden: „Alle, die gesagt haben, dass die Täter Nazis waren, haben eine Hausdurchsuchung bekommen.“ Egal, wen man von den Zeitzeugen befragt – alle erinnern sich an das Stigma, das damals auf den Bewohnern lastete.

 

Publikative.org
Was mit der Bombe begonnen habe, sei fortgesetzt worden mit „Verfolgung durch die Polizei, den Verdächtigungen und rassistischen Zuschreibungen durch die Medien, dem durch die Geheimbehörden gesäten Zwiespalt und Misstrauen und dem Ausbleiben solidarischer Unterstützung der Kölner Öffentlichkeit“, schreibt die Kölner Gruppe „Dostluk Sinemasi – Kino der Freundschaft“.

Sie hat jetzt die Broschüre „Von Mauerfall bis Nagelbombe. Der NSU-Anschlag auf die Kölner Keupstraße und die Pogrome der 1990er Jahre“ herausgegeben, die auf einer Veranstaltungsreihe basiert, die im vergangenen Jahr begonnen hat. Die Ziele der Reihe, in der überwiegend mit Filmen gearbeitet wurde, erläutert „Dostluk Sinemasi“ in der Einleitung der Broschüre: es sei vor allem darum gegangen, „einerseits das defensive Schweigen auf der Keupstraße und andererseits die Ignoranz der Kölner Öffentlichkeit zu durchbrechen und einen offensiven Dialog zu beginnen“.

 

Live-Ticker KR
19:20 Uhr: Die Höhner gemeinsam mit der deutsch-italienisch-türkischen Rap-Band Microphone Mafia auf der Bühne. Kutlu Yurtseven von Microphone-Mafia: „Wir müssen uns alle solidarisieren. Die Keupstraße ist überall.“

 

Focus Online
(Im Video zu sehen: Die Yildirims überreichen Bundespräsident Gauck das Buch „Von Mauerfall bis Nagelbombe“ von Dostluk Sinemasi).

 

Kölnische Rundschau
Initiative „Keupstraße ist überall“
Ihr Treffpunkt ist das Hinterzimmer des Café Sabahci in der Keupstraße. Schon der Ort ist symbolisch. Für die Angst vor dem, was in Hinterzimmern so geschieht und dem jahrelangen Vorwurf, der auf den Bewohnern der Keupstraße lastete, erklärt Mitinitiator Daniel Postrak.

„Erst waren wir selber Schuld. Wir trauten einander nicht mehr. 2011 sind alle wach geworden. Dann kamen welche, und wollten demonstrieren – wieder ohne uns. Da wurde ich richtig sauer“, sagt Mitat Özdemir. Auch er ist Mitbegründer der Initiative „Keupstraße ist überall“, ebenso Abdullah Özkan, Opfer und Nebenkläger im NSU-Prozess. Vor etwa einem Jahr hat sich die Initiative im Hinblick auf den NSU-Prozess gebildet. Was sie alle verbindet: Sie wollen sich für die Nebenkläger der Keupstraße bestärken, sich für die Aufklärung des NSU-Komplexes einsetzen. Die ersten Tage des Prozesses, das Auftreten von Beate Zschäpe und ihren Anwälten, haben Abdullah Özkan damals verunsichert. „Ich möchte wissen, wer alles dahinter steckt“, sagt er. Umso wichtiger ist es für ihn, Unterstützung zu haben, Hilfe und Anlaufstellen.
Zum ersten Verhandlungstag des Bombenanschlags auf der Keupstraße will die Initiative mit Bussen nach München fahren und Solidarität mit den mehr als 20 Nebenklägern demonstrieren. Der Termin für den Verhandlungstag und für die Fahrt dorthin wird auf der Homepage der Initiative bekannt gegeben. (bpo) keupstrasse-ist-ueberall.de

 

Die Welt
Ein paar Meter weiter, vor dem Tatort in der Keupstraße, ist die politische Dimension des Falles noch präsenter als auf der Bühne. „NSU-Terror – Staat und Nazis Hand in Hand“ steht auf einem Transparent, das Aktivisten vor dem bei dem Anschlag zerstörten Friseurladen ausgebreitet haben.

 

WDR.de
Ein paar Häuser weiter steht Mitat Özdemir an der Tür seines Kiosks. Von hier aus kann er die Keupstraße entlang schauen. „Es gibt immer noch Menschen, die nie in die Keupstraße gehen würden“, sagt er, abgehalten durch Vorurteile über angebliche Kriminalität und Fremdartigkeit der Bewohner, „tatsächlich aber ist das hier etwas Einzigartiges“. Die Keupstraße sei nicht Deutschland und auch nicht Türkei, und die oft gehörte Bezeichnung „Klein Istanbul“ gefällt Özdemir schon gar nicht. „Hier ist eine ganz neue Kultur entstanden“, sagt er, und wird dann fast poetisch: „Wie zwei Flüsse, die zusammenfließen und irgendwann eine wunderbare, gemeinsame Kraft bilden.“ Wichtig sei aber, dass gerade die Leute, die Angst hätten, in die Keupstraße zu gehen, es dennoch einmal täten. „Sie alle müssen sehen, dass das, was hier geschehen ist, unserer gesamten Gesellschaft geschehen ist.“
„Wie zwei Flüsse“: Mitat Özdemir
Das bevorstehende Fest sei durchaus eine Hoffnung, glaubt auch Özdemir. „Es gibt jetzt wirklich viele, die sich von Herzen engagieren“, sagt er, sogar eine Schulklasse habe sich gemeldet, die gerne singen wollte. „Das ist toll!“ Dennoch habe er auch etwas Sorge davor, was nach dem großen Trubel kommt. „Stehen wir dann wieder alleine mit unserer Verzweiflung und Angst?“ Oder werden mehr Menschen darüber nachdenken, „welche Fehler wir gemacht haben?“ Auch die Medien müssten sich immer wieder selber fragen, ob sie den richtigen Umgang mit Themen wie Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus pflegen. Er wünsche sich, dass das Interesse nachhaltig sei, dass aus dem Mythos Keupstraße ein Anziehungspunkt werde, der Neugierige anlockt und den Bewohnern neues Vertrauen in ihre Heimat gibt.

 

Unsere gesamte Presseschau findet ihr hier. Für die Zusendung weiterer Beiträge sind wir dankbar.