Die Portraits der NSU Mordopfer

10 Gesichter – 10 Menschen – 10 Leben

Niemals vergessen!

Foto: Hartmut Schneider

Am 11.07.2018, dem Tag der Urteilsverkündung im NSU-Prozess, wurden in Köln und München erstmals die Portraits der 10 Mordopfer des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) enthüllt und der Öffentlichkeit vorgestellt.

Diese Zehn Menschen wurden zwischen 2000 und 2007 von Mitgliedern des terroristischen Netzwerkes kaltblütig ermordet:

Enver Şimşek (9. September 2000 in Nürnberg)

Abdurrahim Özüdoğru (13. Juni 2001 in Nürnberg)

Süleyman Taşköprü (27. Juni 2001 in Hamburg)

Habil Kılıç (29. August 2001 in München)

Mehmet Turgut (25. Februar 2004 in Rostock)

İsmail Yaşar (9. Juni 2005 in Nürnberg)

Theodoros Boulgarides (15. Juni 2005 in München)

Mehmet Kubaşık (4. April 2006 in Dortmund)

Halit Yozgat (6. April 2006 in Kassel)

Michèle Kiesewetter (25. April 2007 in Heilbronn)

Ihre Familien wurden verhört, bedroht, verdächtigt und stigmatisiert – die Opfer und ihre Angehörigen wurden von Staat, Ermittlungsbehörden, Medien und der weißen deutschen Mehrheits-Gesellschaft zu Täter*Innen gemacht.

Erst als man am Vierten November 2011 zwei der Täter*Innen, Uwe Bönhardt und Uwe Mundlos, tot in einem ausgebrannten Wohnmobil fand, wurden die Ermordeten als Opfer einer – in der neueren Geschichte der Bundesrepublik – beispiellosen Serie von terroristischen Morden wahrgenommen.

Um an Sie, die hier lebten, Hoffnungen und Träume hatten, an die Demokratie und selbst an die Vertreter*Innen dieses Staates geglaubt hatten zu erinnern, hat die „Initiative Keupstrasse ist überall“ von der Künstlerin Veronika Dimke Portraits erstellen lassen.

Die schwierige Aufgabe der Künstlerin war es, den ermordeten Menschen gerecht zu werden. Herauszustellen, wer sie waren und was sie menschlich auszeichnete, ohne sie persönlich jemals kennengelernt zu haben.

Grundlage für diese Portraits waren bewusst Fotos, die in den Medien immer und immer wieder reproduziert worden sind. Die Ermordeten sollten herausgenommen werden aus dieser gedanken- und empathielosen Reproduktion. Sie sollten als DIE Menschen wieder erkannt werden, die sie mal waren und nicht als pure Ikonografische Abziehbilder einer der entsetzlichsten rassistischen Mordserie unserer Zeit.

Veronika Dimke hat in kürzester Zeit, allein mit der Beschäftigung mit den Fotos und vielen Gesprächen, sich versucht, in die Persönlichkeiten der Mordopfer einzuarbeiten. Sie hat sich Gedanken über Materialien gemacht und sich schließlich für Pastellkreide und ein besonderes Papier entschieden. Fast 400 Stunden hat sie inzwischen im Atelier an den Zeichnungen gesessen. Noch immer sind sie nicht ganz vollendet.

Dennoch hat sich Veronika Dimke, gemeinsam mit der Initiative zusammen, entschlossen, Fotos von den Portraits zu machen und diese als Tafeln auf die beiden Veranstaltungen zur Urteilsverkündung am 11.07.2018, in Köln und München mitzunehmen. Um gerade dort auch noch mal deutlich zu machen: Ihr seid nicht allein! Wir haben euch nicht vergessen! Wir ziehen keinen Schlussstrich unter die menschenverachtenden und rassistisch motivierten Taten des NSU, nur weil der Prozess zu Ende ist.

Auf der Demonstration in München trugen mehrere anwesende Angehörige der Mordopfer und Überlebende der Bombenanschläge in Köln stolz diese Portraits am Anfang des Zuges.

Wir können ihnen den Schmerz nicht nehmen, aber wir können es ihnen einfacher machen, damit zu leben in dem wir Sie wissen lassen, dass wir sie nie wieder alleine lassen werden.

Niemand wird vergessen!

Wir gedenken den Opfern und Angehörigen der Morde des NSU! Dazu gehört für uns auch der im NSU Prozess nicht untersuchte Mord an Fefzi Ufuk, der am 1.03.2006 in Rheda-Wiedenbrück vor der Moschee erschossen wurde. Auch Fefzi Ufuk stand auf der sogenannten „Todesliste“ des NSU.

Enver Şimşek, einen Blumenhändler aus Schlüchtern, der am 9. September 2000 in Nürnberg ermordet wurde,

Abdurrahim Özüdoğru, einen Fabrikarbeiter und Änderungsschneider, der am 13. Juni 2001 in Nürnberg ermordet wurde,

Süleyman Taşköprü, einen Obst- und Gemüsehändler, der am 27. Juni 2001 in Hamburg ermordet wurde,

Habil Kılıç, einen Obst- und Gemüsehändler, der am 29. August 2001 in München ermordet wurde,

Mehmet Turgut, einen Verkäufer in einem Dönerimbiss, der am 25. Februar 2004 in Rostock ermordet wurde,

İsmail Yaşar, den Inhaber eines Dönerimbisses, der am 9. Juni 2005 in Nürnberg ermordet wurde,

Theodoros Boulgarides, den Mitinhaber eines Schlüsseldienstes, der am 15. Juni 2005 in München ermordet wurde,

Mehmet Kubaşık, den Inhaber eines Kiosks, der am 4. April 2006 in Dortmund ermordet wurde, und

Halit Yozgat, den Inhaber eines Internetcafés, der am 6. April 2006 in Kassel ermordet wurde – in Anwesenheit eines Verfassungsschützers.

Michèle Kiesewetter – die 22-jährige Bereitschaftspolizistin wurde am 25. April 2007  in ihrem Dienstfahrzeug bei der Heilbronner Theresienwiese erschossen. Ihr Kollege überlebte schwer verletzt. Er ist bis heute nicht mehr in der Lage, in seinem Beruf zu arbeiten.

Ebenso gedenken wir den Überlebenden der Bombenanschläge in der Probsteigasse (19.02.2001) und der Keupstrasse (09.06.2004) in Köln, dem Rohrbombenanschlag in Nürnberg (23. 06.1999), der nicht im NSU-Prozess verhandelt wurde.

Auch denken wir an die Menschen, die durch die Banküberfälle des NSU geschädigt und traumatisiert wurden.

Fotos der Portraits der Künstlerin Veronika Dimke können auf ihrer Internetseite

Demoschilder zur Urteilsverkündung im NSU-Prozess

herunter geladen werden.

Wir würden Sie / Dich nur bitten, vor einer möglichen Veröffentlichung, die Künstlerin zu kontaktieren und zu informieren.

Da wir die Originale den Angehörigen der NSU-Mordopfer schenken möchten, sie dazu aber noch würdig gerahmt werden müssen, würden wir die Gemälde gerne „ankaufen“. Dazu brauchen wir Ihre / Eure Unterstützung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nähere Informationen dazu finden Sie/findet Ihr unter

Initiative „Keupstrasse ist überall“ Gemäldeankauf

 

Veronika Dimke (Quelle: Wikipedia)

Nach einer Ausbildung zur staatlich geprüften Holzbildhauerin, die sie 1998 abschloss, arbeitete sie von 1998 bis 2002 in den Münchner Domagkateliers. 2008 erhielt sie ein Projektstipendium für Bildende Kunst der Stadt München. Ihr Studium an der Akademie der Bildenden Künste München schloss sie 2009 mit dem Dokumentarfilm Angst hab ich keine ab. Sie lebt und arbeitet in München. Ihre Arbeiten umfassen ein Spektrum von Zeichnung über Skulptur und Malerei bis hin zu Film und Performancekunst. Sie begreift sich als Feministin und hebt in ihrer Arbeit konsequent die Grenzen zwischen Kunst und Politik auf. In ihrer Arbeit sowie in ihrem politischen Aktivismus beschäftigt sie sich zentral mit den Themen Feminismus, Antisexismus und Antirassismus und weist dabei immer wieder auf die vielfachen Verschränkungen hin, die das Zusammenwirken verschiedenster Herrschaftsverhältnisse charakterisieren.